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Kieler Herzchirurg implantiert Mitralklappe am schlagenden Herzen

Dienstag, 29. Dezember 2015

Neue Katheter-Herzklappentechnologie wurde von Kieler Forschergruppe um Prof. Dr. Georg Lutter entwickelt und weltweit eingesetzt

Eine neue Mitral–Herzklappe konnte mittels eines kleinen Brustkorbschnittes (minimal-invasiv) und eines Katheters am schlagenden Herzen eingesetzt werden: Durch die Entwicklung am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel, war es Ärzten und Forschern um Prof. Georg Lutter gelungen, einen Klappenstent zu entwickeln, der ohne den Einsatz der Herz-Lungenmaschine und mit einem kleinen Hautschnittes (ca. 4 cm) zwischen zwei Rippen durch den Brustkorb direkt ins Herz geführt werden kann.

Dieser Klappenstent ist der erste, der am schlagenden Herzen mit Hilfe eines Katheters in die Mitralposition eingeführt werden kann.Bisher wurden analog dieses Verfahrens weltweit 27 Herzklappen in London, Sydney, Brisbane, Minneapolis, Chicago, Denver und Oslo, eingesetzt. Bei den ersten Implantationen in Sydney unterstützte Prof. Dr. Lutter die australischen Kollegen bei der minimal-invasiven Operation seiner in Kiel entwickelten Herzklappen-Technologie.

Bereits im Februar 2013 war es dem Team um Prof. Lutter, Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie des UKSH, und seinem Partner, Prof. Lucian Lozonschi, Universität von Wisconsin (USA) weltweit erstmalig gelungen, die von ihnen entwickelte Katheterherzklappe (Klappenstent) bei undichter Mitralklappe ohne den Einsatz der Herz-Lungenmaschine erfolgreich in Amerika einzusetzen.

Die neuen Katheterverfahren für Herzklappen waren bisher auf den Ersatz der Hauptschlagaderklappe der Aorta (Aortenklappe) und der Lungenschlagader-Klappe (Pulmonalklappe) begrenzt. Der Klappenersatz mittels Katheter kommt vorrangig dann zum Einsatz, wenn bei Patienten aufgrund schwerer Nebenerkrankungen der Einsatz einer Herz-Lungenmaschine nicht vertretbar ist. Üblicherweise werden in der Herzchirurgie defekte Herzklappen durch chirurgische Eingriffe ersetzt oder rekonstruiert, bei denen der Patient mit einer Herz-Lungenmaschine versorgt wird und der Brustkorb ganz oder zu einem Teil geöffnet wird. Seit sieben Jahren können in bestimmten Situationen neue Aortenklappen mittels eines minimal-invasiven Katheterverfahrens (TAVI) eingesetzt werden. Diese Entwicklung stellt einen großen Fortschritt für Patienten mit einer Aortenstenose oder Aorteninsuffizienz dar: Da für den Katheterzugang nur ein kleiner Schnitt im Leistenbereich oder im Brustkorbbereich nötig ist, konnte die OP-Zeit deutlich reduziert werden. Gleichzeitig sinkt die körperliche Belastung des Patienten erheblich.

Mehr als 750 Hochrisikopatienten wurden am Campus Kiel erfolgreich versorgt.. Im Gegensatz zur Aortenklappe ist die Versorgung der Mitralklappe durch einen Klappenstent deutlich komplexer: “Die große Herausforderung bei der Entwicklung des neuen Katheterverfahrens war die Tatsache, dass die Mitralklappe sehr beweglich ist und sich zwischen zwei Herzkammern befindet“, erklärt Prof. Lutter, der den Forschungslehrstuhl für Experimentelle Herzchirurgie und Klappenersatz an der Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie leitet. “Dort gibt es eine starke Muskelbewegung und eine große Strömung, so dass die neue Mitralklappe, die auch mit dem Herzkatheter über einen kleinen Brustkorbschnitt unterhalb der linken Brust eingesetzt wird, einen guten Halt aufweisen muss.“

Die Kieler Forscher arbeiten seit 2007 an der Entwicklung eines Mitralklappen-Stents mit stabilem Gewebekontakt. Mit großer Unterstützung des Direktors der Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie, Prof. Dr. Jochen Cremer, und der Deutschen Forschungsgemeinschaft gelang es zunächst, experimentell sehr gute Ergebnisse über einen längeren Zeitraum zu erzielen. “Dies war für uns die grundlegende Voraussetzung, einen Klappenstent in die Mitralklappe von mehreren Patienten chronisch und ohne Einsatz der Herz-Lungenmaschine einzusetzen“, sagt Prof. Lutter. Auf dem Prinzip der von Prof. Lutter erfundenen Mitralklappe konnte unter Mitarbeit der Kieler Arbeitsgruppe und unter Unterstützung des Startup Unternehmens Tendyne (USA), ein Mitralklappen-Stent entwickelt werden, der nun bei ersten Hochrisikopatienten eingesetzt wurde.

Auch für den Campus Kiel planen die Mediziner Anfang 2016, Patienten aus Schleswig Holstein bei einer Erkrankung der Mitralklappe und einer besonderen Risikosituation bei fortgeschrittenem Alter mithilfe des neuen Verfahrens zu versorgen. Am Campus Kiel des UKSH werden diese Patienten im Herzteam in enger Abstimmung der Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie (Direktor Prof. Dr. Jochen Cremer), der Klinik für Innere Medizin III – Kardiologie und Angiologie (Direktor: Prof. Dr. Norbert Frey) und Kollegen der Klinik für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin (Prof. Dr. Markus Steinfath) kollegial beraten und versorgt.

Für Rückfragen steht zur Verfügung:
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel,
Prof. Dr. Georg Lutter, Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie,
Tel.: 0431 597-4449, E-Mail: Georg.Lutter@uksh-kiel.de

Der neuartige Mitralklappenstent aufgenommen per Computertomographie.

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Solch ein Mitralklappen-Stent wurde nun bei den ersten Hochrisikopatienten eingesetzt.

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Prof. Dr. Georg Lutter, Oberarzt der Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein, Campus Kiel

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