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Neue Wege zur Risikobewertung von Zysten der Bauchspeicheldrüse

Mittwoch, 03. Juli 2024

Gemeinsame Pressemitteilung der Universität zu Lübeck und des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein

Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert Projekt mit 2,1 Millionen Euro.

Bauchspeicheldrüsenkrebs ist eine der tödlichsten Krebsarten mit sehr schlechten Überlebenschancen. Die einzige Möglichkeit der Heilung ist eine frühzeitige Operation. Zystische Veränderungen in der Bauchspeicheldrüse, auch intraduktale papillär-muzinöse Neoplasien (IPMN) genannt, weisen ein hohes Risiko für die Entwicklung von Krebs auf und müssen deshalb regelmäßig überwacht werden. Eine genaue Risikobewertung bei Patientinnen und Patienten mit IPMN kann zu einer besseren Früherkennung und Prognose von Bauchspeicheldrüsenkrebs führen.

Das Projekt "Multimodal Models, Liquid Biopsy and Artificial Cohorts as Instruments for Risk-Adjusted Monitoring of Pancreatic Precancerous Lesions" (MMAIC-IPMN) nutzt nationale und internationale Datenbanken, um mit Hilfe künstlicher Intelligenz Patientenkohorten für eine verbesserte Risikobewertung und Überwachung von IPMN-Patientinnen und -Patienten zu erstellen. In diesem Zusammenhang werden reale Patientinnen und Patienten nachgeahmt und die Simulation von Behandlungseffekten und Managementstrategien bei großen Patientenpopulationen auf kostengünstige Weise ermöglicht. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit 2,1 Millionen Euro gefördert, es ist zudem für einen Zeitraum von drei Jahren bewilligt.

„Eine große Herausforderung für die heutigen Gesundheitssysteme ist es, eine Krebserkrankung bei Patientinnen und Patienten in einem frühen Stadium zu erkennen. Vor diesem Hintergrund ist das Projekt von großer Bedeutung und wird uns auch in Zukunft neue Möglichkeiten eröffnen“, so der Projektleiter Timo Gemoll, der Professor an der Universität zu Lübeck sowie kommissarischer Leiter der Sektion für Translationale Chirurgische Onkologie und Biomaterialbanken der Klinik für Chirurgie des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH), Campus Lübeck, ist.

Durch den Einsatz modernster molekularer Analysen, wie z. B. digitale genomische und proteomische Tests, sowie automatisierter Flüssigbiopsien, wird in dem Projekt die Risikoeinschätzung von IPMN optimiert. Diese Analyse-Methoden werden an Patientinnen und Patienten angewandt, um u. a. neue, sensitive und spezifische Biomarker für die zu untersuchende Krankheit zu detektieren und in einem Schnelltest zu kombinieren. Patientenvertreterinnen und -vertreter bringen dabei die Perspektiven der Betroffenen und ihrer Familien in die Entwicklung des Risikoscores ein.

Förderpolitische Ziele und wissenschaftliche Aufgaben

Das Konsortium MMAIC-IPMN wird im Rahmen der BMBF-Förderrichtlinie "Risikoadaptierte Krebsfrüherkennung" unterstützt. Ziel ist es, durch die Erforschung eines neuen Risikoscores die Früherkennung von Bauchspeicheldrüsenkrebs zu verbessern.

Die spezifischen wissenschaftlichen und technischen Ziele umfassen:

Die Vereinheitlichung bestehender Registerdatenbanken, die klinische, lebensstilbezogene, bildgebende und genetische Daten enthalten.Die Entwicklung künstlicher Kohorten zur Risikobewertung und Überwachung von IPMN.Die Validierung dieser künstlichen Kohorten durch umfassende Analysen an Patientinnen und Patienten.Die Integration von Flüssigbiopsie-Tests in die routinemäßige Überwachung mithilfe modernster Lab-on-a-Chip-Technologie.Die aktive Einbindung von Patientenvertretenden, um die Verständlichkeit und Akzeptanz der Forschung zu gewährleisten.

Insgesamt kombiniert das Projekt MMAIC-IPMN die Vorteile künstlicher Kohorten mit fortschrittlichen, molekularen, klinischen und radiologischen Screening-Technologien. Am Ende soll ein flüssigbiopsiebasiertes Überwachungssystem für die Anwendung in Kliniken stehen, das die personalisierte Behandlung von IPMN-Patientinnen und -Patienten und die frühzeitige Erkennung von Bauchspeicheldrüsenkrebs ermöglicht.

Beteiligte Expertinnen und Experten und Institute

Das Konsortium besteht aus Expertinnen und Experten der Universität zu Lübeck und des UKSH aus folgenden Einrichtungen:

Klinik für Chirurgie (Prof. T. Keck, PD Dr. K. Honselmann, Dr. L. Bolm) Institut für Sozialmedizin und Epidemiologie, Arbeitsgruppe Rehabilitation (Prof. R. Deck) Sektion für Translationale Chirurgische Onkologie und Biobanking (Prof. T. Gemoll) Klinik für Hämatologie und Onkologie (Prof. N. v. Bubnoff, Dr. E. Dazert-Klebsattel) Institut für Interventionelle Radiologie (Prof. R. Klöckner)

Zusätzlich arbeiten Expertinnen und Experten für künstliche Intelligenz (soventec GmbH, K. Diercks) und Lab-on-a-Chip-Technologie (Hahn-Schickard-Institut für Mikroanalysesysteme, Dr. T. Hutzenlaub, Dr. P. Jülg) an dem Projekt.

Text: Elena Vogt, Universität zu Lübeck

Pressebild

Forschungsprojekt Uni Lübeck

Die Forschenden von UKSH und Uni (von links nach rechts): Dr. Kim Honselmann, Dr. Cassandra Lill, Thorben Sauer, Prof. Timo Gemoll, Prof. Ruth Deck, Dr. Eva Dazert-Klebsattel, Prof. Roman Klöckner und Prof. Nikolas von Bubnoff. Es fehlen: Prof. Tobias Keck und Dr. Louisa Bolm. (Foto: Uni Lübeck)

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Oliver Grieve, Pressesprecher des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein,
Mobil: 0173 4055 000, E-Mail: oliver.grieve@uksh.de

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